Drop Shipping Chance und Probleme. Imgage: AIT / GettyImages/alvarez
Dropshipping
Chance und Problem für den Online-Handel (03.03.2021)
Förderjahr 2020 / Project Call #15 / ProjektID: 5083 / Projekt: DETECT

Die Corona-Krise hat zu längere Laufzeiten und höheren Transportkosten geführt. Um Probleme für KonsumentInnen zu vermeiden, hat Thorsten Behrens von der Watchlist Internet eine Checkliste erstellt, die man sich vor dem Einkauf anschauen sollte.

Dropshipping bedeutet, dass über einen Online-Shop Waren verkauft werden, die der Händler selbst nie zu Gesicht bekommt. Die Waren werden direkt vom Hersteller oder vom Großhändler an Konsumentinnen und Konsumenten versendet. Im Bereich der „Consumer Electronic“ ist das beispielsweise seit Jahren gelebte Praxis. Durch die so gesparten Logistikkosten können die Waren zu einem günstigeren Preis angeboten werden. Händler sind allerdings mit Lieferzusagen an Kundinnen und Kunden immer davon abhängig, dass die Lieferketten der Hersteller und Großhändler funktionieren. Wird von Europa aus versendet, kommen die bestellten Waren meistens auch zeitgerecht und wie bestellt an. Sitzen die Lieferanten aber in Asien, führt Dropshipping häufig zu unangenehmen Erlebnissen. Diese Probleme wurden durch die Corona-Krise noch verschärft.

Schiffscontainer Mangelware

Der Großteil der Waren aus Asien wird per Schiff transportiert. Wegen des wirtschaftlichen Stillstands zu Beginn der Corona-Krise haben die Reedereien die Transportkapazitäten um etwa ein Fünftel reduziert. Inzwischen ist die Nachfrage wieder da – die Transportkapazitäten jedoch nicht. Die Reedereien haben gemerkt, dass sie mit reduziertem Angebot deutlich höhere Preise für den Transport eines Containers verlangen können. Viele Schiffe bleiben daher im Hafen, während die Preise für Schiffscontainer sich versechsfacht haben. Will man eine Platzgarantie auf einem bestimmten Schiff, sind die Preise nochmal um ein Vielfaches höher (Mehr dazu: orf.at - Wettlauf um Transporte aus China). Auch die Alternative per Bahn über die Seidenstraße kostet inzwischen ein Vielfaches von dem, was ein Container noch vor einem Jahr gekostet hat (Mehr dazu: orf.at - Pandemie gibt „Seidenstraße“ neuen Schub).

Industriekonzerne passen ihre Lieferketten an die neuen Bedingungen an. Längere Laufzeiten und höhere Kosten werden in die Prozesse eingeplant. Für viele Dropshipper, die häufig sehr günstige Artikel verkaufen, bedeuten die neuen Containerpreise aber, dass die Transportkosten den Wert der Ware bei weitem übersteigen. Dementsprechend wird mit dem Versand gewartet, bis sich eine Möglichkeit ergibt, die Ware günstig zu verschiffen.

Dadurch gehen bei der Watchlist Internet vermehrt Beschwerden über Lieferzeiten von 3 bis 6 Monaten ein. Die von den Händlern versprochenen 12-15 Tage werden also nicht annähernd eingehalten. Gleichzeitig wurde der Kaufpreis aber bei der Bestellung abgebucht.

Erst prüfen, dann (vielleicht) bestellen!

Um solche Probleme zu vermeiden, hat die Watchlist Internet eine Checkliste erstellt, die man sich vor einem Einkauf anschauen sollte:

  • Hat der Online-Shop den Sitz in der EU? Hat der Online-Shop den Sitz außerhalb Europas, ist es in der Realität nicht möglich, die eigenen Rechte durchzusetzen. Defekte oder beschädigte Produkte werden nur sehr selten ersetzt oder zurückerstattet. Auch minderwertige oder falsch gelieferte Produkte lassen sich meistens nicht austauschen.
  • Ist angegeben, von wo aus die Ware versendet wird? Wird z.B. direkt aus Asien geliefert, können die Lieferzeiten deutlich länger sein, als im Shop angegeben (teilweise bis zu 6 Monate länger).
  • Wird auf Zollkosten hingewiesen? Wenn Waren von außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums geliefert werden, müssen für die Einfuhr dieser Waren Zollgebühren und Steuern bezahlt werden. Wenn diese Abgaben nicht bezahlt werden, kommt die Ware nicht an. Der Online-Shop muss Sie auf das eventuelle Anfallen von solchen Abgaben hinweisen.
  • Werden die Kosten schon bei der Bestellung abgebucht? Das darf bei den meisten Zahlungsvarianten erst rund um den Liefertermin erfolgen.
  • Wird eine europäische Rücksendeadresse angegeben? Wenn Waren auf eigene Kosten nach Asien zurückgesendet werden müssen, können die Kosten des Rückversands den Wert der Ware deutlich übersteigen.

Mehr dazu: Watchlist Internet - Lieferzeiten & Zahlung beim Online-Shopping: Das sind Ihre Rechte

Tags:

Dropshipping Zollkosten Lieferzeiten Checkliste

Andrew Lindley

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Andrew Lindley ist Research Engineer am Center für Digital Safety & Securityam des AIT - Austrian Institute of Technology GmbH.
Die Unit Data Science & Artificial Intelligence (DSAI) bietet Beratung im Bereich Data Science und entwickelt Lösungen, die eine fundierte Entscheidungsfindung auf Basis großer, heterogener Datensätze und Echtzeitdaten ermöglichen.
https://www.ait.ac.at/themen/data-science

Skills:

Data Science
,
data analytics
,
Software Engineering
,
Research
,
Project Management
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