Person von hinten, die vor einer Fußgängerzone steht und ein Smartphone in die Höhe hält.
Kontext, Stress und mobile Interaktion unterwegs
Studiendesign der finalen Feldstudie meiner Dissertation (20.02.2019)
Förderjahr 2018 / Stipendien Call #13 / ProjektID: 3148 / Projekt: Mental Resources and Context in Mobile Interaction

Gemäß meiner Hauptforschungsfrage interessieren mich während mobiler Feldstudien besonders der Einfluss von internen Faktoren (begrenzte mentale Ressourcen, Stress) und externen Faktoren (Kontext) auf mobile Interaktion.

Insbesondere Fehler bei der Interaktion haben es mir angetan: Wie entstehen sie? Wann entstehen sie? Kann man das messen?

Ende letzten Jahres habe ich deswegen eine große Studie zu Tippverhalten während mobilem Chattens unterwegs durchgeführt. Diese Studie soll den krönenden Abschluss meiner Bemühungen zum Thema „Fehler unterwegs“ darstellen. Allerdings musste ich mir vorher selber ein paar Fragen beantworten:

Wie messe ich Kontext?

Alle Kontexte, die jemals auftreten können, wäre natürlich der Wahnsinn. Daher musste ich mich auf eine sinnvolle Auswahl von Kontexten beschränken. Eine zusammenhängende Serie von Kontexten, während der bedeutungsvolle mobile Kommunikation stattfindet und Fehler potentiell eine größere Rolle spielen können, ist der Weg von und zur Arbeit. Der Weg zur Arbeit ist zeitlich klar begrenzt, hat eine überschaubare Anzahl von möglichen Aktivitäten und ist ein übliches Szenario. In meiner Studie habe ich mich für die drei Kontexte „Haltestelle“, „Bim fahren“ und „Zu Fuß gehen“ entschieden und den Proband_innen eine entsprechende Strecke vorgegeben. Anhand der Sensordaten muss also nur zwischen drei Zuständen unterschieden werden.

Wie messe ich den internen Zustand der Nutzer_innen?

Als interner Zustand werden in meiner Arbeit alle Faktoren begriffen, die von den Nutzer_innen selber kommen und sich auf deren Interaktion auswirken. Das können verfügbare Aufmerksamkeitsressourcen sein, Emotionen, oder Stress – kurzum: alles Mögliche. In meiner Arbeit interessiere ich mich insbesondere für Letzteres. Eine allgemeingültige Definition für Stress gibt es leider nicht. In der Psychologie wird oft von „negativem Arousal“ gesprochen, womit ein unangenehmer oder zu hoher Aktivierungszustand des zentralen Nervensystems gemeint ist. Messen kann man diese Aktivierungszustände über allerhand biophysiologische Variablen. Im Aufschwung ist hierbei die Herzfrequenzvariabilität (HRV), welche ein Maß für Schwankungen in den Abständen zwischen Herzschlägen ist. Ist die Schwankung niedrig, sind wir im Stresszustand, da der „Fight and Flight“-Modus eingeschaltet wurde. Die HRV kann für Feldstudien recht einfach über einen Brustgurt gemessen werden, wie er auch von Sportler_innen beim Cardiotraining genutzt wird. Diese Gurte sind günstig und perfekt für Feldstudien zu nutzen.

Wie messe ich mobile Interaktionsfehler?

Um Interaktionsfehler zu messen wurde eine Open-Source Soft-Tastatur von Android geforkt und angepasst, sodass sie mit Zeitstempeln das Drücken jeder einzelnen Tastaturtaste mitloggt. Autokorrektur und Wortvorschläge wurden gezielt deaktiviert. So konnte festgestellt werden, wie häufig die Nutzer_innen ihre Eingaben mithilfe der Backspace-Taste korrigieren. Dieser Indikator diente in meiner Studie zur Ermittlung von Tippfehlern.

Studiendesign

Herausgekommen war ein semi-realistisches Studiendesign, um sowohl ein gewisses Maß an Vergleichbarkeit zu gewährleisten, als auch die Nutzer_innen draußen in realistischem Umfeld zu testen. Vordergründig war die Aufgabe der Proband_innen, mit dem von uns gestellten Smartphone die vorgegebene Strecke zu absolvieren und dabei den Brustgurt zu tragen, um Daten zu sammeln. Ihre eigentliche Aufgabe bestand allerdings darin, auf den von uns modifizierten und als Testleitung maskierten Chatbot zu antworten, der sie in anderthalbminütigem Abstand angechattet hat. Das so erhobene Chatverhalten konnte dann analysiert werden.

Insgesamt haben 44 Personen an dieser Studie teilgenommen, aber über die Ergebnisse werde ich an dieser Stelle noch nicht berichten, sondern hebe mir dies für einen späteren Blogbeitrag auf. ;-)

Falls Ihr Fragen zu Feldstudien und/oder Feldstudiendesigns habt, lasst es mich bitte wissen! Im Laufe der letzten Jahre konnte ich sehr viele Erfahrungen diesbezüglich sammeln und freue mich mein Wissen zu teilen.

Tags:

Fieldstudies HCI MobileHCI Stress HRV Context

Svenja Schröder

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HCI
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Research
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Psychology
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