Chancen & Risiken
Chancen & Risiken beim Computerspielen (26.11.2018)
Förderjahr 2017 / Project Call #12 / ProjektID: 2251 / Projekt: League of Girls

Computerspielen ist für viele Menschen ein interessantes Hobby, das Freude macht und der Entspannung dient. In den Medien wird hauptsächlich über die negativen Einflüsse des Computerspielens berichtet. Vor allem der Sucht- sowie der Gewaltaspekt werden gebetsmühlenartig wiederholt. Erziehungsberechtigte nehmen die negativen Folgen von Computerspielen verstärkt wahr und sind oft besorgt um den Konsum ihrer Kinder. Dass Computerspielen aber auch positive Seiten hat soll in diesem Artikel näher beleuchtet werden. Außerdem möchten wir auch Eltern einladen sich dem spannenden Feld der Computerspielforschung zu öffnen.

Mädchen und Frauen in technischen Studienrichtungen und Berufen

Das Interesse an technischen Berufen und MINT-Studienrichtungen kann wissenschaftlich belegt durch Computerspiele gefördert werden. MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Aufgrund der Erziehung und alter Rollenbilder wird Mädchen und jungen Frauen selten der intensive Kontakt mit Computerspielen nahegelegt. Dies ist eine mögliche Erklärung dafür, dass der Frauenanteil in diesen Berufen oder Studienrichtungen geringer ist. Entgegen üblicher Vorurteile liegt heute der Frauenanteil der ComputerspielerInnen bei 47%.

Realität vs. Mythos

Trotzdem ist der Mythos, dass vor allem Buben und junge Männer Computer spielen, in vielen Köpfen noch Realität, ähnlich der Feststellung, dass Egoshooter zu erhöhter Gewaltbereitschaft führen. Dieses Argument wird in der Wissenschaft widersprüchlich diskutiert und es können derzeit keine klaren Aussagen hierzu getätigt werden. Unumstritten ist allerdings, dass zwischen den Geschlechtern kein Unterschied in der Leistungsfähigkeit beim Computerspielen besteht.

Unterschiedliche Spiele-Genres fördern unterschiedliche kognitive Fähigkeiten

Computerspielen ist in erster Linie eine mentale Leistung. Reaktionsvermögen, strategisches Denken sowie Wissen um Spielmechaniken sind zentrale Komponenten beim Spielen.  Spezifisch können Computerspiele zum Beispiel die Lese- und Merkkompetenz, Problemlösungskompetenz, mathematische Fähigkeiten, Kreativität und Konzentration fördern. In vielen Spielen werden auch Managementkompetenzen benötigt und erworben. Auch die Selbstwirksamkeit, also die Erfahrung, dass das eigene Handeln Auswirkungen auf die Umgebung hat kann erfahrbar gemacht werden. Weiters wird die Hand-Augen Koordination und sofern ein Multiplayeraspekt gegeben ist, die Teamfähigkeit trainiert.

Die erworbenen Fähigkeiten und Kompetenzen werden im 21. Jahrhundert vermehrt benötigt, gilt es doch für die Menschen, sich neuen Arbeits- und Lebenssituationen flexibel anpassen zu können. Computerspiele fordern diese Fähigkeiten auf unterschiedliche Art und Weise heraus.

Langes Sitzen ist für viele Erkrankungen mitverantwortlich

Überwiegendes Sitzen im Alltag führt zu negativen Gesundheitsfolgen. Computerspielen ist hier nicht auszunehmen.

Lange Sitzzeiten führen langfristig zu Herz-Kreislaufbeschwerden, Diabetes und Übergewicht. Die Zeit, die am Tag zur Verfügung steht, ist begrenzt. Im Alltag wird überwiegend gesessen z.B. in der Schule, in den Verkehrsmitteln, bei der Hausübung, beim Essen und vor dem Fernseher. Computerspielen ist eine weitere Aktivität, die fast ausschließlich sitzend durchgeführt wird. Für den Stoffwechsel ist es wichtig, dass ein Ausgleich zu den vielen Sitzzeiten in Form von Sport und Bewegung durchgeführt wird. Andernfalls muss man langfristig mit gesundheitlichen Problemen rechnen, da die Muskulatur abnimmt und der Stoffwechsel nicht gefordert wird. Wenn man beim Stiegensteigen nach einem Stockwerk schon außer Atem ist, ist dies ein Beispiel für verminderte Belastbarkeit.

Lang gehaltene Positionen, wie Sitzen, führen zu Muskelverspannungen und Schmerzen

Beschwerden des Muskel- und Skelettsystems sind die Hauptursache für akute und chronische Schmerzen bei Kindern und Jugendlichen und beeinträchtigen diese im täglichen Leben. Geschätzt ein Drittel aller Jugendlichen leidet unter gelegentlichen Schmerzen des Bewegungsapparates. Je älter man wird, desto häufiger treten Beschwerden auf. Die Wissenschaft bestätigt, dass die Benutzung einer Computertastatur für mehr als vier Stunden pro Tag zu einer erhöhten Wahrscheinlichkeit führt Schulter-, Handgelenks- oder Handschmerzen zu entwickeln.

Bildschirmposition beachten

Beschwerden des Nackens werden häufig mit einer zu niedrigen oder zu hohen Bildschirmposition in Verbindung gebracht. Optimal eingestellt sollte die Oberkante des Bildschirms auf Augenhöhe sein. Das heißt, dass der Kopf leicht nach unten geneigt wird. Studien berichten über einen optimalen Neigungswinkel des Kopfes von 15-25°. Die Distanz zum Monitor sollte zwischen 63 und 85 cm liegen.

Psychische Erkrankungen sind keine Seltenheit

Depression ist die häufigste psychische Erkrankung. Jeder dritte Mensch leidet zumindest einmal im Leben an einer depressiven Phase. Symptome sind unter anderem Niedergeschlagenheit, Schlafstörungen, Leistungsabfall, Veränderung der Essgewohnheiten und sozialer Rückzug. Es ist wissenschaftlich belegt, dass ComputerspielerInnen im Vergleich zur restlichen Bevölkerung vermehrt an Depressionen leiden. Derzeit kann noch nicht genau gesagt werden, welche Gründe dafür ausschlaggebend sind.

Nur eine Minderheit leidet an Computerspielsucht

In den Medien wird häufig über die Computerspielsucht berichtet. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leidet allerdings nur ein Bruchteil der ComputerspielerInnen an der sogenannten „Gaming Disorder“.

Typisch für „Gaming Disorder“ ist:

  • Verminderte Kontrolle über das eigen Spielverhalten
  • Computerspielen hat Priorität gegenüber allen anderen Alltagsaktivitäten
  • Weiterspielen trotz schwerwiegender Konsequenzen für das eigene und soziale Umfeld

Abschließend lässt sich sagen, dass ComputerspielerInnen mentale Leistung erbringen und unterschiedliche kognitive Fertigkeiten trainieren. Die erworbenen Kompetenzen fließen unbewusst in das tägliche Leben mit ein. Computerspielen birgt, vor allem durch die sitzende Komponente, leider auch Gesundheitsrisiken, die nicht außer Acht gelassen werden dürfen. Ein maßvoller Umgang mit dem Hobby ist ungefährlich, wenn man sich auch mit anderen Dingen beschäftigt und seine sozialen Kontakte nicht vernachlässigt. Bewegung und Sport gehören zu einem ausgewogenen Lebensstil. Dann steht auch längeren Computerspielsessions nichts im Wege.

 

 

Tags:

Wirkungsforschung eSports

Thomas Wernbacher

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